Mit den Aurelius Sängerknaben Calw in Lourinhā
Aurelius Sängerknaben Calw in Lourinhā
Kooperationsprojekt im Rahmen der Städtepartnerschaft Bad Liebenzell / Lourinhā
Günther Wallburg
Die Aurelius Sängerknaben Calw flogen in Kooperation mit der Städtepartnerschaftsvereinigung Bad Liebenzell / Lourinhā, der Stadtverwaltung Lourinhā und dem Bürger- & Kulturverein Bad Liebenzell für eine Woche nach Portugal in die Partnerstadt Lourinhā.
Zwei öffentliche Chorkonzerte im Verbund mit lokalen Chören, mehrere spontane Gesangauftritte, diverse Workshops und ein umfassendes Kultur- und Freizeitprogramm standen auf der Agenda.
Seit 2019 besteht zwischen Bad Liebenzell und Lourinhā eine aktive Städtepartnerschaft.
Rund 45 Sänger und Begleitpersonen nahmen an dem jetzigen Projekt teil, die zusätzlich von abwechselnden Delegationen aus Lourinhā in Portugal begleitet wurden. Die Bustransfers während der Woche, die Übernachtung der Sängerknaben in portugiesischen Familien sowie einige der kulturellen Programmpunkte organisierte und finanzierte die Stadtverwaltung Lourinhā. Die öffentlichen Konzerte wurden auf deutscher Seite von Bernhard Kugler, künstlerischer Leiter der Aurelius Sängerknaben Calw, Olaf Kerkau, Leiter der Musikschule Calw und Bastian Levacher, Bariton und Co-Dirigent gemanagt und auf portugiesischer Seite von Carlos Pedro Alves, Musikdirektor der Stadt Lourinhā umsetzt.
Auf verschiedenen Rundwegen ging es gleich am ersten Tag durch den Dino Park in Lourinhā, um 120 in Originalgröße aufgestellte Dinosaurier-Modelle der wichtigsten Epochen der Welt auf 10 Hektar Parkfläche bewundern zu können. Ein Flashmob zum “Shosholoza“ Song aus Südafrika, wo sich der Chor unverhofft an einem Ort im Park singend versammelt, gemeinsam tanzt und dann wieder auflöst, sorgte für große Begeisterung, wurde auch gleich von der Direktion des Parks aufgezeichnet und ins Internet gestellt. Nachmittags demonstrierte der Verein Misericórdia die Mehlherstellung in historischen Windmühlen, die Teigzubereitung und das Backen von Brot zum Abendessen im Holzofen, gefüllt mit Wurst und Oliven. Die Volkstanzgruppe “As Clibotas“ führte danach noch in die portugiesische Folklore ein.
Willkommen in Belém, einem der schönsten Stadtteile Lissabons, hieß es am Tag darauf. Immer eine frische Meeresbrise am Ufer des Tejo-Flusses genießend und den Blick auf die Brücke “Ponte 25 de Abril“ im Hintergrund gerichtet, führte ein Rundgang vorbei am Denkmal der Entdeckungen “Padrāo dos Descobrimentos“ hin zum Denkmal “Torre de Belém“, Grundstein der portugiesischen Identität und Symbol eines Landes aus dem 16. Jahrhundert, das dem Meer und der Welt zugewandt ist. Die besondere Atmosphäre in der nebenan liegenden Kathedrale des “Mosteiro dos Jerónimos“ mit seinen kunstvollen Details der Manuelinik verleitete zu einem spontanen Gesangauftritt der Sängerknaben. Viele Touristen bewunderten das außergewöhnliche Hörerlebnis und applaudierten kräftig. Ein Rundgang durch die Altstadt Lissabons und dem Park der Nationen folgten im Anschluss. Der Abend endete mit einem Empfang in der großen Gemeinderatssitzung des gesamten Stadtkreises Lourinhā.
Mittwoch waren tagsüber, für das Konzert am Abend im Konzerthaus AMAL in Lourinhā, drei Proben angesetzt. 21 Uhr 30 war es dann endlich soweit. Vor vollbesetztem Haus und in Anwesenheit des Oberbürgermeisters, etlicher Amtsträger sowie Stadt- und Ortschaftsräten traten der Coro Juvenil da Amal, der Coro Municipal da Lourinhā und die Aurelius Sängerknaben, entweder einzeln oder gemeinsam zu einem ersten großen Konzertabend auf. Das Programm umfasste 20 Musikstücke und reichte vom klassischen “Laudate“ von Knut Nystedt, “Ave verum corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart oder „Locus iste“ von Anton Bruckner bis hin zu spirituellen und beschwingten Melodien aus Portugal, Italien, Afrika oder USA. Als Solokünstler sang Bastian Levacher “I Believe“ von Ervin Drake. Minutenlanger Applaus und herzliche Beifallsbekundungen wurden allen Interpreten zu Teil und von einem überaus begeisterten Publikum gespendet.
Der Besuch von drei landestypischen Orten stand Freitag auf dem Programm und gab den Teilnehmern einen weiteren Einblick in die kulturelle Vielfalt dieser faszinierenden Region an der portugiesischen Küste. Nazaré ist berühmt für seine beeindruckenden riesigen Wellen und den traditionellen Fischereihafen. Das Dorf verbindet lebendige maritime Kultur mit alten Bräuchen, die noch heute sichtbar sind. Óbidos ist eine mittelalterliche Stadt, die fast vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist. Die engen Gassen, weißen Häuser mit bunten Türen und das imposante Schloss vermitteln ein Gefühl vergangener Zeiten. Die Stadt ist berühmt für ihre traditionellen Feste, wie die Schokoladen- oder Kirschfeste, und für das lokale Ginjinha, einem Kirschlikör, der hier in kleinen Gläsern serviert wird. Peniche ist eine wichtige Hafenstadt mit einer ebenso starken maritimen Tradition. Sie ist besonders bekannt für ihre Fischerei, die beeindruckenden Klippen und die Festung Fortaleza de Peniche.
In der Kirche “Igreja St. Pedro“ in Peniche fand abends ein zweites öffentliches Konzert statt, diesmal zusammen mit der Musikakademie Stella Maris. Das größte Gotteshaus des Landkreises aus dem 16. Jahrhundert mit seinen drei Kirchenschiffen, einer prächtigen barocken Hauptkapelle und unzählig vergoldeten Holzschnitzarbeiten bot eine besondere Konzertkulisse und ebenso beeindruckende Chorakustik. Auch hier war die Kirche vollbesetzt und das Publikum von den musikalischen Darbietungen mehr als überwältigt.
Während Samstag Vormittag noch ein geführter Besuch im Naturkundemuseum von Lourinhā anberaumt war, bekamen 20 der Aurelianer am Nachmittag am weißen Strand “Praia da Areia Branca“ Surfunterricht, um mit dem Surfen zu beginnen oder es fortzusetzen.
Mit dem Besuch zweier Konzerte auf dem parallel stattgefundenen Stadtfest in Lourinhā und individuellen Ausflügen der Gastfamilien untereinander endete am Sonntag eine weitere städtepartnerschaftliche Begegnung, die, wie zu vernehmen war, noch lange nachhalten wird und für nächstes Jahr bereits ihren Gegenbesuch in Bad Liebenzell und Calw angekündigt hat.
Ermöglicht wurde dieser Kulturaustausch durch eine Förderzusage des Goethe Instituts, Zuschüsse mehrerer Sponsoren der Region und des Landratsamts Calw, wie auch der breiten Unterstützung der Stadtverwaltung Lourinhā und seinen gastfreundlichen Bürgern.